Biographie

Im Jahre 2005 interviewte mich Florian Böck im Rahmen der Rubrik “Interviews mit Top-Züchtern” für die Homepage www.Wellensittich.de.
Dafür an dieser Stelle herzlichen Dank für das Interesse und die Erlaubnis, das Interview hier in voller Länge präsentieren zu dürfen, damit Sie mich ein wenig kennen lernen.

Florian Böck: Wie und wann sind Sie zum Hobby Wellensittichzucht gekommen?
Siegfried Szesny: Der Anfang meiner Zucht begann, nachdem ich meinem Sohn zum Geburtstag ein Pärchen Wellensittiche geschenkt hatte. Im Jahre 1975 kaufte ich dann zum ersten Mal ein paar Schauwellensittiche von Albert Schaefer aus Haltern.

Welche Farbschläge züchten Sie und warum?
Ich züchte hauptsächlich Normale, Opaline, Spangle, A.-Schecken, Zimter u. Gelbe. Hierbei lege ich ganz besonderen Wert auf meine Normalvögel, und dabei ganz besonders auf die Graugrünen und Grauen. Diese Vögel sind es die eine gute Zucht unbedingt benötigt um auf Dauer Qualitätsvögel zu produzieren.

Von welchen Züchtern bezogen Sie Ihre ersten Schauwellensittiche und auf welchen Zuchten basiert ihr aktueller Stamm?
Meine Vögel stammen zu fast 100% aus der Schaefer Zucht. Da mich mit Albert eine über 20 Jahre lange Freundschaft verband, war es so, dass wir in den letzten 15 Jahren die Vögel untereinander getauscht haben. Hierdurch floss auch sehr viel Blut von Mannes Vögeln in meine Linie, welche Albert seit etwa 1997 verstärkt in seine Linien einkreuzte.

Welche Fütterung praktizieren Sie?
Bis vor einem Jahr habe ich ausschließlich die Mannes Mischung von Verseele Laga gefüttert. Aus preislichen Gründen beziehe ich seit letztem Jahr mein Futter aus Holland, wobei ich hier nach meiner Meinung eine noch bessere Qualität geliefert bekomme. Zum anderen bekommen meine Vögel ganzjährig Austerngrit, Jodpicksteine u. einen Salzleckstein welche die Landwirte auch für ihre Kühe benutzen. Vor und während der Zuchtsaison, verfüttere ich ein spezielles Konditionsfutter welches ich aus gequollenem Hafer, Eifutter, Haferflocken, Sojamehl, Aminovimin u. geriebenen Möhren täglich frisch zubereite.

Beschreiben Sie den Lesern Ihre Zuchtanlage und den jährlichen Turnus Ihrer Zucht?
Meine Zuchtanlage besteht aus zwei Räumen im Keller meines Hauses. In einem Raum sind vier Innenflüge. Hierbei haben zwei die Maße 2,20 m + 1,60 m. Die anderen zwei haben die Abmessung 2,20 m + 1,20 m. Die Flüge sind nicht wie gewöhnlich bis zum Boden, sondern in einer Höhe von 0,50 m abgehängt. Der Boden besteht aus Edelstahlgittern, so das der Kot durchfällt und leicht vom Boden abgesaugt werden kann. Der Boden und die Wände sind gefliest und werden jede Woche einmal abgespritzt. Im Boden befindet sich ein Abfluss, so das kein nachwischen erforderlich ist. Hierdurch fällt in meiner Anlage viel weniger Staub an. Dies kommt mir und auch meinen Vögeln zugute. Außerdem sorgen zwei Raumfilter für möglichst staubfreie Luft. Im zweiten Raum befinden sich 36 Zuchtboxen in denen ich von Oktober bis etwa Ende Mai züchte.
Des Weiteren befinden sich im gleichen Raum 5 geräumige Absetzboxen für meine Jungvögel, an denen jeweils ein Ausstellungskäfig angehängt ist. Eine Besonderheit meiner Anlage ist, dass ich nicht wie gewöhnlich den Boden meiner Zuchtboxen mit Vogelsand oder Granulat belege. Auf dem Käfigboden meiner Zuchtboxen ist doppellagig Papier von Küchenrollen ausgelegt. Der Vorteil besteht darin, dass ich meine Zuchtboxen schnellstmöglich reinigen (max. 20 Min.) kann. Zum anderen wird die Feuchtigkeit, die sehr beträchtlich bei einer züchtenden Henne ist, sehr gut gebunden. Dadurch verhindere ich die doch sehr gefährlichen Schimmelpilze. Allerdings benötigte diese Methode doch eine Eingewöhnung von einigen Monaten, in denen meine Hennen das Papier immer wieder zerfetzten. Heute ist dies kein Problem mehr, und ich bin damit sehr zufrieden.

Wie viele Vögel befinden sich im Durchschnitt in Ihrer Zuchtanlage und welche Anzahl an Jungvögeln beringen Sie jährlich?
Im Durchschnitt habe ich in meiner Zuchtanlage ca. 200 Vögel. Hierbei handelt es sich zu 2 Drittel um Hennen. Da mich die Erfahrung gelehrt hat, das man niemals zuviel gute Hennen besitzen kann, werden diese von mir auch sehr ungern verkauft. Während einer Zuchtsaison beringe ich ca. 150 – 200 Jungvögel.

Ihr Kommentar zum Hobby Schauwellensittichzucht
Hier bin ich der Meinung, dass der Ehrenchampion abgeschafft werden sollte. Für mich ist nur der ein wirklicher Champion, der es immer wieder durch seine Leistung unter Beweis stellt. Ich bin auch dafür, daß die Punktzahl in der Championstufe, zum Erhalt der Klasse, auf 15 gesenkt werden sollte. Wenn ich heute nachschaue und sehe, dass wir ca. 200 Championzüchter haben, so finde ich, dass dies entschieden zuviel sind. Bei der Fußballbundesliga gibt es nur 18 Spitzenclubs. Bei uns wären 50 Championzüchter gewiss auch genug.

Wie beurteilen Sie das temporäre Leistungsgefüge der deutschen bzw. internationaler Schauwellensittichzucht?
Um dieses zu beurteilen müsste man die internationalen Schauen der letzten Jahre gesehen haben. Da ich letztmalig 1983 die englischen Championships besucht habe, unterlasse ich diesen Vergleich.

Wie beurteilen Sie die Zukunft der Schauwellensittichzucht?
In der Zukunft unseres Hobbys sehe ich genau die gleichen Schwierigkeiten, die auch alle anderen Vereine haben. Das Angebot der Freizeitgestaltung für unsere Jugend ist bedeutend größer als noch vor 30 Jahren. Hierdurch fehlt den einzelnen Vereinen automatisch der Nachwuchs, so dass sich alles etwas reduzieren wird. Zum anderen fehlt auch vielen, bedingt durch das geringe Platzangebot und „nette“ Nachbarn, die Möglichkeit. Allerdings bin ich der Meinung, dass derjenige der einmal dieses schöne Hobby angefangen hat, davon auch schnell infiziert wird.

Warum ist die Schauwellensittichzucht für Sie ein interessantes Hobby?
Das Hobby ist besonders interessant wenn man wie ich, großen Wert vor allem auf die Zucht legt. Es ist immer wieder faszinierend, wenn die ersten Jungvögel im Nest liegen. Nun heißt es, abwarten und schauen wie sich diese entwickeln. Werden die Jungen wirklich so wie man es sich bei der Zuchtpaarzusammenstellung erhofft hat? Schön ist es auch immer wieder auf den Schauen mit anderen bekannten Züchtern über unser Hobby zu diskutieren und neue Freundschaften zu knüpfen. Hierdurch verbindet mich schon seit vielen Jahren eine gute Freundschaft mit Karlheinz Zeidler aus Dülmen. Zum anderen pflege ich seit gut drei Jahren eine gute Freundschaft mit den Gebrüdern Martin und Johann Hartjes und ihrem Zuchtpartner Jan Verhoef aus Holland.

Wie stark beurteilen Sie Ihre eigene Zucht?
Dieses zu beurteilen sollte man lieber anderen überlassen. Jedoch würde ich sie im oberen Bereich einordnen, da ich mit 4 Linien züchte, und aus jeder Linie auch schon ein Spitzenvogel gefallen ist. Siehe den blauen aus der Linie 1 aus dem Jahre 2000 oder den Graugrünen Bundesgruppensieger 2004 aus der Linie 4.

Welche Vor- und Nachteile birgt Ihrer Meinung nach das Internet als neues Medium für Tierhalter im Allgemeinen und die Schauwellensittichzucht im Besonderen?
Als sehr großen Vorteil auch für uns Schauwellensittichzüchter betrachte ich das Internet. Kann ich hier doch auf einfache Weise und immer dann, wenn es meine doch sehr eng bemessene Zeit zulässt, mich über den Stand anderer Zuchten informieren und auch neue Bekanntschaften knüpfen. Wünschenswert wäre, wenn viel mehr Züchter sich eine eigene Homepage einrichten würden und man somit auch außerhalb der Schauen schon gute Vergleiche anstellen könnte. Allerdings sollte man immer bedenken, dass der eine seine Vögel besser fotografieren kann, als der andere. Dieses kann man auch immer wieder feststellen, wenn man die Bilder der Europaschau- oder auch Bundesschausieger in den einzelnen Fachzeitschriften vergleicht.

Wie gehen sie mit Krankheiten Ihrer Vögel um und welche Medikamente kommen (wenn überhaupt) bei Ihnen zum Einsatz?
Hierzu kann ich sagen, dass ich seit dem Umbau meiner Anlage vor vier Jahren, viel weniger mit erkrankten Vögeln zu tun hatte. Dieses führe ich darauf zurück, dass meine Vögel kein altes Futter vom Boden mehr aufnehmen können. Ich meine nämlich, dass wir sehr viele Krankheiten durch alte Futterreste, welche schon mit Schimmelpilzen befallen, sind uns einhandeln. Sollte bei mir ein Vogel einmal Durchfall bekommen, so wird er vor eine Wärmequelle gesetzt und mit Holzkohle versorgt. Außerdem gebe ich etwas Auramin direkt in den Schnabel. Dies reicht in den meisten Fällen aus. Bei schwereren Krankheiten wird grundsätzlich ein Tierarzt aufgesucht.

Was sind Ihre bisher größten Schauerfolge?
Da ich aus zeitlichen Gründen nicht viel ausstelle, außer bei Europa und Bundesschauen, beschränken sich meine Erfolge auf diverse Europa- und Bundesgruppensieger. Hierbei hat mich auch ganz besonders der letztjährige Bundesgruppensieg in Graugrün gefreut, da ich diesen Vogel leider noch nicht mal in Top Kondition präsentieren konnte. Zum anderen möchte ich noch meinen blauen Vogel des Jahres 2000 nennen der unter anderem die Werner Haarde Schau für sich entscheiden konnte.

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